Gemeinsam zu schreiben hat viele Vorteile: Mehr Wissen, mehr Kompetenzen, mehr Spaß – und Schluss mit der typischen Einsamkeit beim Schreiben. Wie jede Zusammenarbeit hat aber auch ein Schreiben im Team seine Tücken. Hier hätte ich ein paar Ansätze und Ideen für Sie.
Viele Sach- und Fachbücher entstehen heute als Gemeinschaftsprojekt mehrerer Autoren unter der Leitung eines oder mehrerer Herausgeber. Auch ich habe schon Beiträge für solche „Fremdbücher“ geschrieben beziehungsweise den neudeutsch „Content“, also das Material dafür geliefert. Es macht einfach weniger Arbeit, als gleich ein ganzes Buch zu schreiben. Andere Sach- und Fachbücher werden von zwei, drei, vier Autoren geschrieben, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen zusammenwerfen und sich die Arbeit wieder teilen. Weitere Bücher bestehen zu einem hohen Prozentsatz aus eingebauten Interviews.
Auch belletristische Werke wie Romane werden zunehmend von Autorenteams geschrieben, entweder unter Nennung aller Beteiligten oder unter einem erfundenen Pseudonym. Auch hier kann ein Grund dafür die Arbeitsteilung sein, sicher aber auch die reine Freude am gemeinsamen Schreiben. Schließlich kann Schreiben eine einsame Sache sein, die man sonst bestenfalls durch Austausch in Schreibgruppen oder mit Testlesern auflockern kann.
Darüber hinaus gibt es den Sonderfall, dass ein Fachexperte oder eine Prominenz mit einem Schreibprofi zusammenarbeitet. Der Experte oder Promi liefert den Stoff, der Schreibprofi sein Handwerk, je nach Absprache und Vergütungsmodell in Form einer offiziellen Zusammenarbeit oder als Ghostwriting. Bei Lebensgeschichten werden diese oft mehr oder weniger stark von mehr oder weniger sichtbaren Biografen geschrieben.
Teamwork beim Schreiben bietet sich also zum Beispiel an, wenn Sie
Nun hat natürlich jede Form von Zusammenarbeit ihre Tücken. Die größte Tücke dürfte, wie so häufig, „der Faktor Mensch“ sein. Persönlichkeiten passen nicht zusammen, jeder hatte andere Vorstellungen und Erwartungen, Streits brechen aus, mancher geht sehr kreativ mit dem Zeitplan um oder wird schlicht krank. Und nun stehen Sie da als Mitautor oder Herausgeber.
Einheitlichkeit: Für Buch oder Leser dürfte die größte Herausforderung wohl die Einheitlichkeit eines solchen Projekts sein. Die Qualität der Beiträge, Sprache, Stil und Ton können wechseln, eine Struktur ist vielleicht nicht vorhanden, wichtiger Inhalt fehlt oder ist doppelt, Formalia wie die Benennung von Überschriften oder die Schreibweise von Fußnoten und Zitaten werden von jedem Beteiligten beliebig gehandhabt und so weiter. Mit anderen Worten: Das Buch wirkt vielleicht nicht aus einem Guss, wird vom Leser dann weniger gern, gegebenenfalls nur in Teilen gelesen und von Verlagen sehr kritisch gesehen, oft nicht angenommen.
Organisation: Auch die Organisation sollte nicht unterschätzt werden. Schon die ironische Definition von TEAM = „toll, ein anderer macht’s“ deutet auf Schwierigkeiten hin. Wer bestimmt in welchem Maße über das Ganze und die Details? Einen Zeitplan einzuhalten und bei allen Beteiligten durchzusetzen kann zu einer hässlichen Sache werden. Ausfälle und Krankheiten müssen bedacht und abgefedert werden. Auch Kommunikation und Verständigung sind nicht ohne, Missverständnisse sind jederzeit möglich. Und natürlich ist die Organisation einer Zusammenarbeit in sich oft schon aufwändiger als die für eine Einzelarbeit. Die Arbeit und Zeit, die man beim Schreiben spart, steckt man oft in die Planung wieder rein.
Recht: Wenn Sie wüssten, wie häufig ich E-Mails von Autoren bekomme, die sich mit anderen Beteiligten oder, meist, ihrem Verlag überworfen haben und nach möglichen rechtlichen Schritten suchen … Und nein, ich kann dabei leider gar nicht helfen. Auch die rechtliche Seite einer Zusammenarbeit sollte also besser nicht ignoriert werden. Differenzen ergeben sich immer gern beim Finanziellen. Aber auch organisatorische Fragen können rechtliche Folgen haben wie etwa: Wer leistet was? Wer hat welchen Einfluss? Wer trifft die Entscheidungen?
Was also tun?
Einheitlichkeit: Je mehr Einheitlichkeit erforderlich oder gewünscht ist, desto wichtiger wird die Planungsphase. Nehmen Sie sich gegebenenfalls ausreichend Zeit dafür, sprechen und arbeiten Sie alles genau durch, halten Sie alles schriftlich fest. Ein detailliertes Konzept mit sorgfältiger Gliederung kann sehr sinnvoll sein.
Auch genaue Vorgaben und Vorlagen können hilfreich sein, sei es als Anleitung und / oder als formatierte Datei. Diese Vorgaben können betreffen: Den Inhalt, den Umfang (Beitrags- und Kapitellänge), die Gliederung (wie tief darf / soll gegliedert werden), Stil und Ton (zum Beispiel eher sachlich oder locker-leicht), die Benennung (beispielsweise von Überschriften und Zwischenüberschriften), Formalia wie Zitierweise, Fußnoten, Anmerkungsapparat und Literaturangaben, Umgang mit und Bezeichnung von Abbildungen oder schlicht Schriftart und -größe. Vielleicht mögen Sie auch ein Beispielkapitel als Fahrplan erarbeiten?
Und stellen Sie jemanden dafür ab, der zum Schluss noch einmal über das ganze Werk geht und dafür sorgt, dass alles wie aus einem Guss wirkt, der alles noch einmal kontrolliert und überprüft, ob das einer von Ihnen ist oder ein externer Lektor. Es kann auch sinnvoll sein, alles noch einmal sprachlich zu überarbeiten beziehungsweise überarbeiten zu lassen. Sei es, um Fehler zu beseitigen und Schwächen zu glätten, und / oder, um für einen einheitlicheren Ton zu sorgen.
Organisation: Als Nächstes braucht Ihr Projekt, wie jedes Projekt, eine gute Organisation. Dazu gehören Terminpläne mit Terminvorgaben und am besten auch genügend Puffer. Dazu gehören genaue Zuständigkeiten und Aufgaben: Wer macht was und ist wofür verantwortlich? Was wird von jedem Beteiligten erwartet, was erwarten aber vielleicht auch die Beteiligten? Schließlich können sich stillschweigende Annahmen und scheinbare Selbstverständlichkeiten als fatal erweisen. Wer trifft die Entscheidungen und hat worüber das Sagen? Wie sollen Arbeits- und Vorgehensweise aussehen? Wie will man miteinander arbeiten und kommunizieren?
Vielleicht möchten Sie eine Zusammenarbeit auch erst einmal an kürzeren Texten und Projekten ausprobieren, bevor Sie sich an ein Großprojekt wie ein Buch machen? Alles, was Sie an Prototypen lernen, können Sie später bei Umfangreicherem einsetzen.
Recht: Um Rechtsfragen geht es häufig dann, wenn als selbstverständlich Angenommenes nicht funktioniert oder die Beteiligten unterschiedliche Erwartungen und Prioritäten haben. Eine Teilnehmerin nannte es einmal so: „Verträge schließt man, damit man sich verträgt.“ Oder anders formuliert: Was im Vorhinein besprochen und schriftlich festgelegt wurde, führt im Nachhinein seltener zu Streitereien. Das gilt auch beim Schreiben, ob Sie das in Vertragsform tun oder nicht.
Legen Sie also zum Beispiel, wie schon oben erwähnt, fest: Wer trifft welche Entscheidungen? Wer ist in letzter Instanz für das Gesicht von Text oder Buch verantwortlich? Wie soll dieses Gesicht aussehen? Welche Rechte haben Herausgeber und Verlag? (Zum Beispiel das Recht der Überarbeitung.) Welche Rechte haben die Autoren? (Zum Beispiel das Recht, dass ihre Freigabe für einen zu veröffentlichenden Text notwendig ist, oder das Recht, Veränderungen an ihrem Text rückgängig machen zu dürfen.) Wie sieht’s mit dem Finanziellen aus? Wer wird oder soll nach Fertigstellung von Text oder Buch noch was tun? (Dazu zählt zum Beispiel der häufige Streitpunkt, was Herausgeber oder Verlag zum Verkauf eines Buches tun werden. Dazu zählt beispielsweise aber auch, ob sich die Autoren über weitere Punkte wie die Bewerbung eines solches Buches, weitere Auflagen, späterer Verlagswechsel oder Ähnliches einig sind.)
Und vergessen Sie natürlich „den Faktor Mensch“ nicht. Je enger eine Zusammenarbeit ist, desto wichtiger kann es werden, dass Sie sich mit dem oder den anderen gut verstehen, sich gegenseitig gut ergänzen, ähnliche Vorstellungen und Erwartungen haben und gern auch die Stärken und Schwächen des anderen kennen. Wie halt im ganz normalen Leben.
Lesetipps:
Artikel: 16 Regeln für Moderation und gute Kommunikation
Artikel: 10 Tipps für gute Kooperationen
Literaturtipp:
Klaus Reinhardt: Vom Wissen zum Buch. Fach- und Sachbücher schreiben.
© 2018 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 08.10.18
Schreiben hat viele Gesichter. Die NLP-Trainerin und Heilpraktikerin Beatrix Schulte widmet sich in ihrem Buch vor allem dem Schreiben für die Seele. Dazu gibt sie Anregungen und Impulse und stellt verschiedene Schreibmethoden vor. Tipps für Schreibmotivation und das Schreiben selbst runden das Buch ab.
Beatrix Schulte war Lektorin in einem Verlag, bevor sie sich als NLP-Trainerin, Mediatorin und Heilpraktikerin für Psychotherapie selbstständig machte. Heute gibt sie vorrangig Seminare für Kommunikation, kreative Visionsfindung und Schreiben.
In einer dreimonatigen Auszeit in den Cafés von Girona, Spanien, schrieb sie dieses Buch. Mit ihm möchte sie ihre Leser ermutigen, den Stift in die Hand zu nehmen, der Schreibfreude nachzugehen und über das Schreiben in Kontakt mit sich selbst zu kommen. Sie schildert die Wirkung und Vorteile von Schreiben auf die menschliche Psyche. Und sie stellt diverse Schreibmethoden sowie ihre jeweils speziellen Funktionen vor.
Vorwort
1. Einführung: Die Kraft des Schreibens
Schreiben als kreativer Prozess der Selbstentfaltung, mit dem man sich selbst, aber auch anderen nahe kommen kann. Schreiben für einen klaren Geist und als Zugang zu Unbewusstem. Schreiben, das schädigende Handlungsmuster erkennen lässt und heilt. Schreiben, das von Altem, für Neues befreit, einen etwas leichter zum Handeln bringt und das Leben berührt.
2. Schreiben ist Leben: Impulse aus den Cafés von Girona
In diesem Hauptteil des Buches widmet sich Beatrix Schulte, ähnlich wie Natalie Goldbergs „Schreiben in Cafés“, in kleinen Kapitelchen jeweils einem Gedanken, spinnt diesen weiter. Dabei kann es sich um Impulse zur Schreibmotivation handeln, um Tipps fürs Schreibhandwerk, aber auch um ihr Kernthema, die Wirkung von Schreiben auf die Seele und wobei Schreiben einem helfen kann. Eine übergeordnete Struktur fehlt, doch in sich sind die kleinen Abschnitte gut nachvollziehbar, man kann den Gedanken und der Argumentation der Autorin gut folgen.
3. Formen des Schreibens: Methoden und Wirkung
In diesem Teil stellt die Autorin einzelne Schreibmethoden näher vor. Dabei handelt es sich zum Beispiel um: Tagebuch mit Unterformen wie Wunschtagebuch, Traumtagebuch oder Reisetagebuch. Journaling. Morgenseiten nach Julia Cameron oder Dorothea Brande. Autobiografisches Schreiben. Kreatives Schreiben. Therapeutisches Schreiben. Meditatives Schreiben. Poesietherapie. Expressives Schreiben. Freewriting. Visionäres Schreiben. Spirituelles Schreiben. Briefe schreiben mit diversen Unterformen von Briefen.
4. Die Schreib-Praxis: Übungen und Anregungen
Zum Schluss gibt es noch jeweils einige beispielhafte Übungen zum Autobiografischen Schreiben, zu Schreiben als Selbsterkenntnis und zum Kreativen Schreiben.
Einige Literaturempfehlungen runden das Buch ab.
Die Autorin schreibt einfühlsam, klar und gut verständlich. Einzelne Inhalte gehen für mich eher Richtung klassische Schreibtipps, verlassen ein bisschen die Wirkung von Schreiben auf die Psyche. Aufgepasst also, wenn Sie nur wissen möchten, wie Sie besser schreiben oder sich fürs Schreiben motivieren. In dem Fall sind Sie hier falsch. Wenn Sie sich aber auch für die Zusammenhänge zwischen Schreiben und Seele interessieren, finden Sie dafür hier eine Fülle von Gedanken, Anregungen und Methoden.
Fazit: Eine schöne Vorstellung der „seelischen Wirkung“ von Schreiben.
© 2018 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 28.09.18
Beatrix Schulte: Die Seelenfeder. Wie wir durch Schreiben wieder in Kontakt mit uns selbst kommen. Köln 2017. 144 Seiten.
Bei amazon bestellen …
(Partner-Link, kleine Umsatzbeteiligung für mich)
Unter dem Begriff Intuition wird viel verstanden: Eine innere Wahrheit genauso wie ein impulsiver Impuls, ein Geistesblitz oder ein richtiger Riecher. Lesen Sie, was Intuition ist, wie sie funktioniert und wie Sie sie fördern – oder behindern ;-).
Intuition ist nicht nur eine „weiche“ Fähigkeit, sondern offenbar auch ein „weicher“ Begriff. In der Literatur begegnen dafür viele mögliche Definitionen. Mancher versteht unter Intuition pauschal jedes „Denken mit dem Bauch“. Für manchen ist sie ein intuitives Bauchwissen, etwas, was sich richtig, stimmig anfühlt. Das wird dann auch gleichgesetzt mit der inneren Stimme oder inneren Wahrheit. Für manche ist sie ein intuitives Handeln (was als „innerer Blödmann“ allerdings auch negative Folgen haben kann), für andere ein impulsives Handeln (was auch nicht ganz ungefährlich sein kann), für wieder andere ein instinktives Handeln (was positiver sein kann, allerdings nur, wenn man unter Instinkt das Wissen darum versteht, was gut für einen ist). Geistesblitze und Ideen können das Ergebnis von intuitiven Erkenntnissen und Problemlösungen sein. Die intuitiv richtige Einschätzung von Menschen wird durch Spiegelneuronen erleichtert. Bei einem sechsten oder siebten Sinn hat man einen richtigen Riecher. Spirituelle oder religiöse Menschen machen intuitive mystische Erfahrungen. Und manche sollen regelrechte Vorahnungen oder Visionen haben.
Schon bei der Begriffsbestimmung zeigt sich, dass Intuition verschiedene Formen annehmen und unterschiedlich wahrgenommen werden kann. Ein vages Gefühl, „dass da etwas nicht stimmt“, ist etwas anderes als die angenehme Wärme im Körper, dass das jetzt richtig für einen ist. Ein Impuls, der einen treibt, ist etwas anderes als ein Geistesblitz, eine Vorahnung oder Träume. Bei vielen Menschen kann sich Intuition auch über innere Bilder äußern oder durch künstlerische Tätigkeiten wie Malen und Schreiben Gestalt annehmen. Das hängt teils von der Intuition und teils vom jeweiligen Menschen ab. Jeder reagiert anders auf sie.
Hauptquelle für unsere Intuition ist unser Unbewusstes. Dieses speichert und verarbeitet das, was wir irgendwann einmal wahrgenommen, erfahren, erlebt und gelernt haben, aber auch das, was wir unbewusst, also ohne bewusste Kenntnis dessen, wahrgenommen haben. Je nach Intuition stellt es uns dieses Wissen dann in unterschiedlicher Form zur Verfügung. Dies kann der Geistesblitz sein als Ergebnis eines bewussten und unbewussten Ringens mit einem Problem. (Unbewusste Informationsverarbeitung) Aber auch die intuitive Muster- oder Fehlererkennung bei Gebieten, auf denen wir Experten sind. (Erfahrungswissen) Intuition kann die Folge von automatisierten, konditionierten Abläufen wie bei Profisportlern sein, die durch ständige Wiederholung ihre Tätigkeit intuitiv, sozusagen „im Schlaf“ beherrschen. Eine zwischenmenschliche Intuition beruht oft auf unseren Spiegelneuronen, mit deren Hilfe wir Gefühle, Situation, Zustand oder Verhalten eines anderen Menschen in uns selbst erleben und mitfühlen. Es soll aber auch eine Intuition ohne jede Vorerfahrung geben. Eine Intuition, die sich zum Beispiel in Vorahnungen oder Visionen äußert und die zumindest nach heutigem Stand der Dinge wissenschaftlich nicht erklärt werden kann.
Wenn man so will, ist unsere Intuition ein zusätzliches Auge oder ein weiterer Wahrnehmungs- und Informationskanal. Sie zapft die unserem bewussten Verstand oft haushoch überlegenen Fähigkeiten und Wissensspeicher unseres Unbewussten an. Sie lässt uns Prioritäten setzen und erkennen, was wirklich wichtig ist. Sie macht traumwandlerisch mühelose Abläufe möglich, hilft bei Entscheidungen, löst Probleme und findet Ideen. Sie warnt mit dem „sechsten Sinn“ oder stellt den „richtigen Riecher“. Sie lässt uns Menschen und Situationen besser beurteilen und erweist sich so als wichtige Überlebenshilfe. Sie kann uns als innere Weisheit instinktiv zu dem führen, was gut für uns ist. Und sich auf sie zu verlassen, kann ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen geben, kann den Druck mindern, im Leben alles bewusst, durchdacht tun zu müssen.
Intuitives Handeln ist aber nicht ganz ungefährlich. Wer unreflektiert jedem Bauchimpuls folgt, kann danebengreifen. Der Instinkt kann irren, wenn er von Prägungen, Erfahrungen, persönlichen Interessen, Gefühlen, Begierden, Ängsten und Ähnlichem mehr beeinflusst wird. Verblendungen, Wahrnehmungsstörungen und psychische Störungen können die Intuition genauso verzerren wie Hormone und biologische Urzeitprogramme des Menschen zur Aufrechterhaltung der Art. Intuition kann fehlinterpretiert oder zur Projektionsfläche zum Beispiel von Wünschen und Hoffnungen, aber auch von Sorgen und Befürchtungen werden. Und natürlich kann sie auch schlicht unbemerkt bleiben.
Gerade nannte ich Faktoren, die unsere Intuition verzerren können. Es gibt aber auch Dinge, die sie komplett abwürgen können, zum Beispiel: Sich zu sehr auf Verstand und rationales Denken zu verlassen, vielleicht sogar, nichts anderes gelten zu lassen. Zu sehr auf Zweck und Ziel fixiert zu sein. Zu sehr unter Stress zu stehen, sodass man nur noch blind reagieren kann. Zu stark mit Unerledigtem beladen zu sein. Zu sehr Routinen und konditionierten Handlungen zu folgen, die den Blick auf Neues versperren. Durch psychische Belastungen oder hemmende Gefühle blockiert zu sein. Aber auch, zu viel zu grübeln oder auf sich fixiert zu sein. Im Grunde gilt für die Intuition oft das, was auch für die Kreativität gilt: Je mehr Freiraum sie hat, desto besser. Beide kann man nicht erzwingen, nur ermöglichen, und das bedeutet, Bedingungen zu schaffen, unter denen sie sich melden und wir sie hören können.
Förderlich für Intuition kann zum Beispiel sein: Sinne, Beobachtungsgabe und Wahrnehmung zu trainieren, feine Signale zu einem Bild zusammensetzen zu können. Achtsam zu sein in der Bedeutung von wahrzunehmen und zu bemerken, aber auch in der Bedeutung von unvoreingenommen zu sein, nicht zu werten oder falsch zu deuten. Empathiefähig zu sein, sowohl anderen als auch sich selbst gegenüber. Zur Ruhe zu kommen, ins Leere zu lauschen, in sich hineinzuhören. Mit Hilfsmitteln wie zum Beispiel Meditation, Fasten oder Nachtwachen aufnahmebereiter oder „durchlässiger“ zu sein. Gedanklich flexibel und „offen“ zu sein, also beispielsweise weder zu glauben, alles mit dem Verstand lösen zu können / zu müssen, noch sich mit Werten, Normen oder der Meinung anderer zu blockieren. Offen auch für die eigenen Gefühle und Impulse zu sein. Geistig klar zu sein, um intuitive Signale zu erkennen und zu interpretieren. Aber auch einen guten Kontakt zum Körper zu haben, um dessen Signale zu bemerken und zu verstehen. Die Bereitschaft, sich selbst zu erforschen, sowie ein gerüttelt Maß an Wissen über sich selbst zu haben, um zum Beispiel zu erkennen, in welcher Form sich die eigene Intuition äußert. (An all dem kann man meiner Meinung nach schön sehen, dass das „Denken mit dem Bauch“ im Grunde ein ganzheitlicher Prozess ist. Alles ist beteiligt: Körper und Gefühl, Seele und Geist / Bewusstsein / Verstand.) Loslassen und Unbestimmtes aushalten, spontan und flexibel sein zu können. Sich selbst und seinen Eingebungen zu vertrauen. Durch Übung sicherer darin zu werden, diese Eingebungen wahrzunehmen. Und wer mag, kann auch mit Hilfe von Reflexionsfragen oder kreativen Ausdrucksformen wie Malen und Schreiben versuchen, stärker in Kontakt zu sich zu treten und sein Un- oder nur Halbbewusstes zu hören.
Eines sollte man allerdings nach Meinung diverser Autoren nie tun: Seinen intuitiven Impulsen blind folgen. Erstens muss es sich nicht um Intuition handeln, sondern kann etwa schlicht eine Laune, Angst oder ein anderes Gefühl sein. Zweitens kann der intuitive Impuls, wie oben erwähnt, verzerrt sein. Das bedeutet, es braucht dann doch ein klares Bewusstsein sowie viel Wissen um sich selbst und seine Denk- und Verhaltensmuster, um die Intuition auch zu prüfen und richtig zu interpretieren. Ist das aber gegeben, verfügt man über einen wahren Schatz: Ein drittes Auge, einen inneren Führer und vielleicht sogar die eine oder andere Vorahnung :-).
Lesetipp:
Artikel: Intuition fördern durch Scheibchenschneiden
Literaturtipps:
Renato Kruljac: Intuition. Wie wir lernen, unserem Bauchgefühl zu vertrauen.
Eher positive Stimmen zum Denken mit dem Bauch:
Ap Dijksterhuis: Das kluge Unbewusste. Denken mit Gefühl und Intuition.
Bas Kast: Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft
Eher vorsichtige Stimmen zum Denken mit dem Bauch:
Burkhard Busch: Denken mit dem Bauch. Intuitiv das Richtige tun.
Malcolm Gladwell: Blink. Die Macht des Moments.
© 2018 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 04.09.18
In unserer immer komplexer werdenden Welt kommen wir mit unserem bewussten Verstand allein oft nicht mehr weiter. Unsere Rationalität könnte Unterstützung durch unsere Intuition gebrauchen. Der Autor schildert, wie wir diese mit Achtsamkeit und Kontemplation fördern, unsere innere Stimme besser hören. Interviews mit Zen- und Kontemplationslehrern, kognitionswissenschaftliche Modelle sowie einige Übungen runden das Buch ab.
Renato Kruljac war Führungskraft in einem internationalen Unternehmen, bis er seiner Berufung – und Intuition – folgte und einen beruflichen Kurswechsel vornahm. Heute ist er MBSR-Lehrer, gibt Achtsamkeits-, Zen- und Kontemplationskurse. Daneben arbeitet er als Bildungscoach sowie als Berater und Trainer für Personalentwicklungsanalysen und Persönlichkeitsentwicklung.
Intuition ist eine dieser „weichen“ Qualitäten, die es in unserer westlichen Kultur immer noch schwer haben. Das leise Stimmchen, das Instinkt und innere Stimme bis hin vielleicht sogar zu Vorahnung und außersinnlicher Wahrnehmung befeuern könnte, wird gern ignoriert, nicht wahrgenommen oder verkümmert in seiner einstmals vorhandenen Anlage.
Dabei bräuchten wir gerade in unserer heutigen, immer komplexer und mit unserem begrenzten Verstand immer schwerer zu durchdringenden Welt beides: Rationales Denken und intuitives Fühlen. Wie aber können wir unsere Intuition entfalten und unser Bauchgefühl nutzen? Dazu liefert der Autor, passend zu seinem eigenen Hintergrund, Erklärungsmodelle aus den Kognitionswissenschaften, Interviews mit Zen- und Kontemplationslehrenden sowie eine Einführung in die Achtsamkeitslehre, um mit Neurologie, Psychologie, Spiritualität und Achtsamkeit dem Phänomen Intuition etwas näher zu kommen. Einige praktische Übungen sowie das übliche Literatur- und Quellenverzeichnis runden das Buch ab.
Vorwort
1. Intuition: Wegweiser in einer komplexen Welt
Es gibt mehr als eine Intuition: Beispiele
Was ist Intuition? Wie haben Menschen ihre Intuition erfahren und erlebt? Welche Formen von Intuition gibt es? (Von einem vagen Gefühl über eine intuitive Erkenntnis oder Lösungen und Geistesblitze im Halbschlaf bis zu regelrechten zukünftigen Vorahnungen.)
2. Erklärungsmodelle der Kognitionswissenschaften: Der Intuition auf der Spur
Das Wissen des Unbewussten. Hirnforschung: Wie entsteht Intuition? Automatische Entscheidungen: Schneller, als der Verstand erlaubt. Mit Gefühlen besser entscheiden: Das Modell der Somatischen Marker. Spiegelneuronen: Mitgefühl entsteht im Gehirn.
Intuition kann sich aus dem Unbewussten speisen und zum Beispiel auf in der Vergangenheit gesammeltem Wissen und Erfahrungen beruhen, die jetzt unbewusst angezapft werden, aber auch auf grundsätzlich unbewusst Wahrgenommenes zurückgehen. Intuition kann das Ergebnis von automatisierten, konditionierten Prozessen sein wie etwa bei Spitzensportlern, die immer wieder dieselben Abläufe trainieren. Genauso gibt es aber auch Intuitionen ohne jede Vorerfahrung. Auch die sogenannten Somatischen Marker und Gefühle sind an Intuition beteiligt. Spiegelneuronen spiegeln das Gefühl oder das Verhalten eines anderen Menschen, können uns auf diese Weise helfen, seine Situation oder seinen Zustand in uns selbst zu erleben und mitzufühlen. Damit sind sie wesentlich für eine soziale Intuition. Und so weiter.
3. Intuition und Transzendenz
Die mystische Erfahrung. Visionen und Offenbarungen.
Intuition kann mehr sein als die Summe von Informationen und Erfahrungen. Diese Intuition kann die Gestalt von mystischem Begreifen, von Erleuchtung haben, wird dann in kulturellen Mythen, Bildern und Sprache zum Ausdruck gebracht. Es soll sie auch geben in Form von Visionen, Offenbarungen und Vorahnungen. Welche Gefahren können sich allerdings auch aus diesen Intuitionsformen ergeben?
4. Achtsamkeit: Im Hier und Jetzt leben
Wie wir mit Achtsamkeit unsere Einfühlung und unsere Intuition verbessern. Was ist Achtsamkeit? Welche Formen der Achtsamkeit gibt es?
5. Was ist Intuition?
Interview: Antworten von Experten
In diesem umfangreichsten Kapitel gibt der Autor die Antworten ausgewählter Zen- und Kontemplationslehrer auf seine Fragen wieder. Diese Fragen lauten unter anderem: Was verstehen Sie unter Achtsamkeit? Wozu dient ein Achtsamkeitstraining? Was verstehen Sie unter Intuition? Was meinen Sie zu den Erklärungsmodellen für Intuition von unbewusstem Denken bis zu außersinnlicher Wahrnehmung? Können Sie eine Situation schildern, bei der Ihre Intuition besonders ausgeprägt war? In welchen Situationen gibt es Intuition oder kann sich die Intuition grundsätzlich auf alles beziehen, also zum Beispiel auch auf völlig fremde Situationen? Gibt es ein sicheres Anzeichen für Intuition, wie konkret ist sie? Wo ist die Intuition in unserem Leben von Bedeutung? Kann man Intuition fördern beziehungsweise trainieren, und wenn ja, wie? Welche Persönlichkeitseigenschaften sind für Intuition hilfreich? Wie macht sich eine Intuitionserfahrung bei Ihnen bemerkbar, was sind die Anzeichen? Wie lange mussten Sie üben, um offener, bewusster für intuitive Erfahrungen zu sein?
6. Loslassen und achtsam werden: Wie wir die Intuition schulen können
Über den Tellerrand schauen. Atem – der ruhende Anker. Die Kunst des Nichtstuns – einfach nur da sein. Die Schlüsselfrage. Intuitives Schreiben. Die Intuitionsprüfung.
Wie wir mit Achtsamkeit auch den Zugang zu unserer Intuition fördern. In uns hineinhören und subtile Signale wahrnehmen. Einschränkende Konzepte und Normen loslassen. Durch Schlüsselfragen ausgelöste Assoziationen aufschreiben. Intuition wird je nach Typ anders wahrgenommen, auf die eigenen Erscheinungsformen achten. Intuition auch richtig interpretieren, auftauchende Gedanken und Gefühle prüfen. Widerstände untersuchen. Intuition lässt sich nicht erzwingen, aber der Zugang zu ihr kann entwickelt werden. Auch Toleranz für Fehler ist notwendig, um sich für Intuition und innere Stimme zu öffnen. Mit Kreativität und Intuition aus festgefahrenen Denkmustern ausbrechen und passende Lösungen fürs Leben finden. Beides, Intuition und Rationalität, ist im Leben wichtig.
7. Nachwort
Literatur- und Quellenverzeichnis. Dank. Impressum.
Ich finde den vom Autor selbst stammenden Buchteil schön verständlich, klar geschrieben. Das gilt auch für seine teilweisen Zusammenfassungen der Interviews. Mit den Antworten der Interviewten selbst tue ich mich schwerer. Zumindest ich musste mich hier stärker durcharbeiten. Das nur „zur Vorwarnung“. Die beiden Buchteile Hintergrundwissen und Interviews unterscheiden sich meiner Meinung nach recht stark in Inhalt und Sprache.
Und natürlich kann man das Thema Intuition auch anders angehen als über Achtsamkeit, Kontemplation und Zen. Doch diese für den Autor typische Mischung macht ja gerade den Reiz des Buches aus. Man sollte sich nur darüber im Klaren sein, dass sich hinter dem noch recht allgemein gehaltenen Buchtitel ein entsprechender Zuschnitt verbirgt.
Sind beide Grundvoraussetzungen beim Leser gegeben, besteht die Bereitschaft, sich auf Sprache und Inhalt des Buches einzulassen, steht einem Lesevergnügen vermutlich nichts mehr im Weg. Im Gegenteil: Neben viel hilfreichem Wissen zur Intuition bekommt der Leser gratis noch etliches zu Achtsamkeit und Kontemplation mit auf den Weg.
Fazit: Ein hilfreicher Aufruf, mehr auf seine Intuition und innere Stimme zu hören und diese zu fördern – zum Beispiel mit Hilfe von Achtsamkeit und Kontemplation.
© 2018 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 14.08.18
Renato Kruljac: Intuition. Wie wir lernen, unserem Bauchgefühl zu vertrauen. Köln 2017. 144 Seiten.
Bei amazon bestellen …
(Partner-Link, kleine Umsatzbeteiligung für mich)
Längst hat die Katze den Hund in der Statistik des gefragtesten Haustieres überrundet. Und ihre Zahl in deutschen Haushalten nimmt weiter rapide zu. Vielleicht auch, weil wir sie für viele ihrer Eigenschaften bewundern, zumindest einige davon gern selbst leben würden? Ich habe mir auf Gutdünken einiges herausgegriffen und wage einen Vergleich.
Was ist der Deutschen beliebtestes Tier? Die Katze. Über 13,5 Millionen Katzen leben heute in deutschen Haushalten und ihre Zahl wächst munter weiter. Der Hund folgt mit etwa 8,6 Millionen auf dem zweiten Platz, auch wenn er häufiger als die Katze in Einzelhaltung lebt und daher vielleicht noch die Mehrheit der Haushalte beherrscht.
Katzen sind keine Engel und keine Heiligen. Mobbing, Schikane, Gewalt und andere ungute Erscheinungen gibt es auch unter Katzen. Prügelknaben werden gesucht, neue Mitkatzen nicht geduldet, Langeweile kann in Aggressionen enden. Ich habe selbst eine Katze aus einem Mehrkatzenhaushalt geholt, die regelmäßig gemobbt und immer wieder von anderen Katzen verprügelt wurde. Lange Zeit hatte sie mit Alpträumen und Angstattacken zu kämpfen.
Doch von einigen kätzischen Eigenschaften und Verhaltensweisen könnten wir uns vielleicht inspirieren lassen und lernen, könnte Kätzisches den Finger auf menschliche Wunden legen. Vielleicht hat sich auch deshalb die Katze in unsere Herzen geschlichen? Weil wir sie für das bewundern und lieben und um das beneiden, was sie ist?
Ein paar Gedanken und eine Hommage an die Fellnasen.
Ich bin eine freie Katze: Hunde und Nutztiere wurden vom Menschen gezähmt und zu bestimmten Zwecken domestiziert. Die Katze schloss sich uns Menschen aus eigenen Stücken an, um von unseren von Mäusen heimgesuchten Kornkammern zu profitieren. Eine Beziehung auf Augenhöhe und Win-Win-Basis. Sie entwickelte sogar ein eigenes Gen fürs Zahm-Sein.
Ich bin freiwillig hier: Noch heute haben Katzen ihren eigenen Kopf. Wenn es ihnen bei ihren Haltern nicht mehr gefällt und wenn sie können, futtern sie sich bei anderen Dosenöffnern durch oder wechseln gleich ganz das Zuhause. Und wir bewundern sie für ihren freien Geist.
Ich unterwerfe mich nicht: Hunde wollen dem Alphatier und Rudelführer gefallen, Menschen können dies ausnutzen und missbrauchen. Bei Katzen gibt es zwar ebenfalls eine soziale Rangordnung, doch in uns Menschen sehen sie eher die Mama-Katze, die man um den Finger wickeln kann, sie lassen sich nicht abrichten und unterwerfen.
Ich lasse mich nicht zwingen: Man kann Katzen auch nicht zu etwas zwingen, was sie nicht tun wollen, sie nicht unter Druck setzen. Sie werden eher mit Verhaltensauffälligkeiten und -problemen reagieren, als sich zu fügen und sich selbst Gewalt anzutun.
Ich bin okay: Es gibt schüchterne, ängstliche und fordernde, dominante Katzen. Katzen mit wenig Selbstvertrauen oder zu viel Selbstbewusstsein. Aber es gibt keine Katze mit dem, was uns Menschen oft so zu schaffen macht – mit einem schlechten Selbstwertgefühl.
Ich bin nicht böse: Katzen kennen auch keine Schuld oder Scham. Man kann ihnen zwar durchaus innerhalb eines gewissen Rahmens beibringen, was sie dürfen und was nicht. Aber sie werden sich niemals für „böse“ halten und darüber womöglich Komplexe bekommen.
Ich lasse mich nicht bestrafen: Katzen lernen kaum oder gar nicht über Strafe. So etwas ruiniert nur die Mensch-Katze-Beziehung. Für Lob, Belohnung und positive Verstärkung sind sie dafür umso empfänglicher. Eine Erziehungsmethode, die auch uns selbst guttun würde.
Ich lasse mir nichts gefallen: Katzen zeigen glasklar an, wenn ihnen etwas nicht passt und sie unter einer Situation leiden. Sie machen keine gute Miene zum bösen Spiel. Vom Menschen wieder als Verhaltensauffälligkeit gedeutet, sind dies Notsignale, die gelesen werden sollten.
Ich heile mich: Katzen haben eine eingebaute „Hausapotheke“. Mit ihrem Schnurren tun sie nicht nur uns gut, sie beruhigen und heilen damit auch sich selbst. Bei uns Menschen sind diese Selbstheilungskräfte leider oft verschüttet oder kommen nicht zum Zuge.
Ich pflege mich: „Katzenwäsche“ ist erheblich mehr als nur die sprichwörtlich flüchtige Pflege. Katzen putzen und waschen sich täglich mehrere Stunden lang, sind sehr reinliche Tiere. Frei nach dem Motto: „Ein gesunder Geist nur in einem sauberen, gut gepflegten Körper.“
Ich sorge für mich: Katzen sorgen meist gut für sich. Sie gehen dahin, wo es ihnen gut geht, und achten auf das, was ihnen guttut. Dazu gehört auch eine gute Selbstwahrnehmung, um zu spüren, was das Richtige für sie ist. Sie fügen sich in der Regel nicht selbst Schaden zu. Tun sie es doch, ist es wieder ein Zeichen dafür, dass sie unter etwas leiden.
Ich bin ein Genießer: Katzen genießen es sichtlich, gekämmt, gebürstet, gekrault und massiert zu werden. Was wir Menschen erst mit Wellness erfinden mussten, betreiben Katzen seit Jahrtausenden hingebungsvoll und verwöhnen sich damit gegenseitig. Inspirierend.
Ich bin anspruchsvoll: Wenn sie können, sind Katzen auch gern anspruchsvoll. Es wird der Ort aufgesucht, der die richtige Temperatur hat, das Essen gewählt, das so schmeckt, wie sie es mögen, und das ihnen das gibt, was sie gerade brauchen, gern möglichst abwechslungsreich. Wenn das nicht wieder Selbstwahrnehmung und Selbstfürsorge in Reinform ist.
Ich sorge für meine Bedürfnisse: Wenn es ihnen möglich ist, sind Katzen überdies sehr erfinderisch darin, ihre Bedürfnisse auch bei anderen anzumelden. So haben die sonst eher körperlich Kommunizierenden zum Beispiel eine eigene Lautsprache für uns Zweibeiner entwickelt, vom unwiderstehlichen Kleinkindmaunzen bis zum nächtlichen Schreiterror.
Ich brauche Ruhe: Katzen sind ein Sinnbild für Ruhe und Gelassenheit. Schon eine Katze zu sehen, lässt uns Menschen ein bisschen entspannter werden. Katzen vertragen weder Stress, Hektik, Lärm, Streit noch andere „atmosphärische Störungen“. Darin können die sensiblen Tiere uns Vorbild sein in unserer immer hektischer werdenden Welt und angesichts des hohen Aggressions- und Gewaltpotenzials von uns Menschen.
Ich brauche Erholung: Während wir Menschen seit der Erfindung von künstlichem Licht und dem Aufkommen des Industriezeitalters oft immer weniger schlafen – mit entsprechenden Folgen, sind Katzen wahre Schlafmützen. Je nach Quellenangabe schlafen und ruhen Katzen 12 bis 20 Stunden am Tag, Kitten und Senioren noch mehr.
Ich lasse mich nicht hetzen: Katzen kennen auch keinen Anspruchs- und Leistungsstress. Keine Katze würde zum Beispiel 150% geben wollen, wenn auch 100% ausreichen – oder weniger. Ein solches Motto, wie ich es einmal auf der Webseite einer Tierärztin gesehen habe, ist leider eher typisch Mensch. Eine Katze holt oder erjagt sich, was sie braucht, und gut ist.
Wie schon erwähnt: Katzen sind keine Engel. Und natürlich lässt sich das Kätzische nicht 1:1 auf uns Menschen und unsere Welt übertragen. Doch Katzen halten uns einen Spiegel vor. Einen Spiegel, dass es vielleicht auch anders gehen könnte. Und es könnte uns vielleicht guttun, von Zeit zu Zeit von diesem Spiegel zu lernen. Wenn Sie mögen, vergleichen Sie doch selbst einmal – mit Katzen oder anderen Lieblingstieren.
© 2018 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 18.07.18
Wer ein glückliches Leben führen möchte, sollte in erster Linie ein eigenes Leben führen. Das ist die Überzeugung und der Aufruf von Bestsellerautor und Lebenscoach Martin Wehrle. Mit seinem Buch zeigt er, was uns an einem eigenen, selbstbestimmten Leben hindert und was wir für ein solches tun können. Mit viel hilfreichem Wissen, flott und unterhaltsam geschrieben.
Martin Wehrle ist Bestsellerautor und bekannter „Karriere- und Lebenscoach“. Zudem bildet er Coaches aus und ist ein gefragter Redner etwa bei Unternehmen und Kongressen.
Als junger Mann war er kreuzunglücklich in seiner angepassten, geschätzten Ausbildung zum Staatsdiener. In den folgenden Jahren ging er seinen eigenen Weg zu dem, was er heute macht. Mit seinem Buch möchte er auch andere motivieren, das Eigene zu tun und zu leben. Er möchte Begleiter auf dem Weg zum „Selber-Leben“ sein.
Der erste Teil seines Buches will zeigen, wie wir fremdbestimmt werden, von Erziehung bis Massenmedien und Internet. Der zweite Teil lädt mit einem Selbsttest ein, das eigene Leben zu begutachten und genauer unter die Lupe zu nehmen. Danach folgen viele Tipps und wissenschaftliche Erkenntnisse, wie wir selbstbestimmter leben.
Darüber hinaus enthält das Buch viele Beispiele aus Wehrles eigenem Leben und seiner Coachingpraxis, Gedanken aus Philosophie und Beispiele prominenter Zeitgenossen, Denkanstöße, Reflexionsfragen sowie einzelne Coachingübungen meist am Ende eines Kapitels.
Vorwort Ich hab da was verloren: Mein Leben!
Kapitel 1 Im falschen Film: Guten Tag, ich will mein Leben zurück!
Warum wir nicht das Leben der anderen leben sollten. Warum wir uns nicht fragen sollten, was gut für unseren Lebenslauf wäre, sondern was gut für unser Leben wäre. Warum wir auf Muss-Sätze achten und Nein sagen lernen sollten. Warum wir eigene Konturen ausbilden und damit die für uns richtigen Menschen anziehen sollten. Warum wir uns vor den fatalen Vergleichen und äußeren Maßstäben der Leistungsgesellschaft hüten sollten.
Kapitel 2 Der Werbe-Wahn: Mein Haus, mein Auto, meine Not
Warum wir uns vor Nachahmungskultur und den Tricks der Werbung hüten sollten. Wie die Werbung Glück durch Äußerlichkeiten vorgaukelt. Wie wir schon evolutionär mit Wohlgefühl und Sicherheit belohnt werden, wenn wir uns an andere anpassen und andere nachahmen. Wie uns die Angst bestimmt, die Zuneigung anderer, die Zugehörigkeit zu anderen zu verlieren.
Kapitel 3 Die Erziehungs-Falle: „Wenn du brav bist, hat Mami dich wieder lieb!“
Wie wir von früher Kindheit an geprägt werden und den Urteilen der Erziehung ausgesetzt sind. Wie wir den hohen Maßstäben oft nicht genügen und uns als Mängelexemplar fühlen. Warum wir uns mit den „Tätern“ solidarisieren und identifizieren, statt die eigene Not zu sehen. Wie wir in der Kindheit bedingte Liebe erfahren („wir lieben dich, wenn du so und so bist“), in der Schule dem Anpassungszwang unterworfen sind und zu „Antwort-Automaten“ herangezüchtet werden, und unser ganzes Leben lang Zuneigung durch Wohlverhalten verdienen wollen.
Kapitel 4 Der Ego-Shooter: Ich bin ja so ein Versager!
Wie wir von inneren Anpeitschern und zu hohen Ansprüchen an uns selbst getrieben werden. Wie wir das Maximal-Glück erzwingen wollen und uns als Selbstoptimierer das Leben zur Hölle machen. Wie wir durch ungute Prägungen von Christentum und Calvinismus gesteuert werden. Wie wir der Illusion des „alles ist möglich“ huldigen, übertriebene Ziele und krampfhaftes Wollen nicht hinterfragen sowie die Verantwortung fürs Scheitern an die Außenwelt abgeben.
Kapitel 5 Einfach krank: Warum Anpassung zu Burnout und Depression führt
Warum wir unser Lebenstempo drosseln sollten, um nicht im Burnout zu landen. Warum wir nicht alles für andere tun und es anderen recht machen sollten. Warum wir uns vor Ausbeutung und Selbstausbeutung im Beruf hüten sollten. Wie erlernte Hilflosigkeit zur Depression führen kann. Und warum wir unser Leben nicht von äußeren Umständen abhängig machen sollten.
Kapitel 6 Der große Life-Check: Sitzen Sie noch am Steuer?
Ein Selbsttest lädt dazu ein, das eigene Leben zu hinterfragen: Wie selbstbestimmt ist mein Leben? Wie zufrieden bin ich mit meinem Leben?
Kapitel 7 Ich verlange Respekt: Warum es gut ist, wenn nicht jeder Sie liebt
Warum gekaufte Freunde keine Freunde sind. Warum es nicht darum geht, viele Freunde zu haben, sondern gute. Warum wir uns nicht verbiegen, sondern im Einklang mit uns selbst sein sollten. Warum wir uns vor der Nettigkeitsfalle hüten und nett nur bei gesundem Gleichgewicht sein sollten. Warum wir uns selbst akzeptieren können sollten.
Kapitel 8 Der Preis ist heiß: Was kostet die Veränderung?
Warum wir lieber den anderen als uns selbst enttäuschen sollten. Wie wir durch innere Konflikte am Handeln gehindert werden. Wie fatal es sein kann, sich nicht zu entscheiden, um nur ja keine Fehler zu begehen. Wie wir gute Entscheidungen treffen. Warum wir in die Stille gehen sollten, um uns selbst zu hören.
Kapitel 9 Wunsch-Konzert: Was Ihre Sehnsüchte Ihnen flüstern
Was „Haben-Wünsche“ (Tageswünsche) und „Sein-Wünsche“ (Herzenswünsche) sind. Wie wir unsere Wünsche erkennen. Warum wir auf Intuition, Herz und Bauch hören sollten. Warum unser Verstand uns in die Irre führen kann. Warum wir uns fragen sollten, was wir wirklich brauchen, was uns wichtig ist, was wir uns für unser Leben wünschen, was aber auch aus diesem heraus kann und soll. Wie wir das Kind von früher in uns wecken und von ihm lernen.
Kapitel 10 Denken ist Glückssache: Warum Zufriedenheit im Kopf beginnt
Einiges zu unguten Denkmustern wie etwa der Falle des Aufwärts-Vergleichs, mit dem wir uns unweigerlich als Verlierer fühlen. Und einiges zu erfüllenden und motivierenden Denkmustern, um das, was ist, neu zu bewerten, oder anderes anzustreben.
Kapitel 11 Ein wohl-gefühltes Leben: Wie Emotionen Ihre Freunde werden
Wie wir mit Emotionen manipuliert werden können und auch manipuliert werden. Wie Emotionsprogramme der Urzeit uns noch heute das Leben schwer machen. Wie wir unsere Emotionen aber auch nutzen und in unserem Sinne einsetzen können.
Kapitel 12 Arbeits-Sieg: Wie Ihr Beruf Ihnen wieder Erfüllung schenkt
Was bedeutet eigentlich Karriere? Warum realistische Erwartungen hilfreich sind, denn den absoluten Traumjob gibt es nicht. Wie unsere Einstellung zur Arbeit auch die Zufriedenheit mit der Arbeit fördern kann. Wie wir unsere Arbeitsbedingungen verbessern können.
Kapitel 13 Beziehungs-Weisheit: Von der Kunst, sich mit den richtigen Menschen zu umgeben
Menschen haben ein Grundbedürfnis nach Zuneigung und Nähe. Einiges zum „Beziehungs-TÜV“, um Menschen zu erkennen, die nicht gut für uns sind, und uns die richtigen Freunde und Partner zu suchen. Warum wir uns von den Eltern und ihren Prägungen emanzipieren sollten. Einiges zu Freundschaft, Partnerschaft und den Einflüssen anderer Menschen auf unser Leben.
Kapitel 14 Anstiftung zum Nein-Sagen: Wie Sie sich mit einem Wort das Leben retten
Uns dessen bewusst sein, dass ein Nein zu etwas auch immer ein Ja zu etwas anderem ist – dieses Ja sollten wir sehen können. Warum wir Grenzen setzen müssen, um nicht überrollt zu werden. Sowie 22 ausführliche Tipps fürs Nein-Sagen.
Nachwort Ich hab da was gefunden: Mein Leben!
Ein Anhang mit Literatur, Quellenverzeichnis und Sachregister schließt das Buch ab.
Wehrle schreibt flott, unterhaltsam, flüssig. Man merkt ihm den Berufsschreiber an, der, glaube ich, früher auch einmal bei der Zeitung war. Sein Buch vermittelt nicht nur wertvolles Wissen. Es macht auch Spaß, es zu lesen. Der Autor scheint mir zudem menschlich sympathisch zu sein.
An einigen Stellen sehe ich einiges anders als er, würde anders argumentieren. Auch bin ich selbst aus eigener Erfahrung vorsichtig mit Verallgemeinerungen geworden, würde lieber noch differenzieren wollen.
Doch davon abgesehen ist Wehrles Buch prall gefüllt mit hilfreichen Tipps, erklärenden Zusammenhängen, schönen Denkanstößen und amüsanten, anschaulichen Beispielen. Zugleich scheint es mit Herzblut geschrieben und ein inniger Aufruf an alle zu sein, JA zu einem eigenen, selbstbestimmten Leben zu sagen. Man muss dann nur noch entsprechend handeln.
Fazit: Ein motivierender Appell fürs eigene, selbstbestimmte Leben.
© 2018 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 11.07.18
Martin Wehrle: Sei einzig, nicht artig. So sagen Sie nie mehr JA, wenn Sie NEIN sagen wollen. München 2015, 381 Seiten
Bei amazon bestellen …
(Partner-Link, kleine Umsatzbeteiligung für mich)
Die Worttrennung oder früher Silbentrennung ist zwar heute oft unnötig. Auch kamen mit der Rechtschreibreform etliche neue Trennmöglichkeiten hinzu und wurde vieles einfacher. Trotzdem kann es ganz hilfreich sein, einige Regeln zu kennen. Lesen Sie in diesem Spickzettel, welche Wörter Sie wie trennen – und was Sie besser nicht trennen. (PDF-Datei, 1 Seite)
Nach der Anmeldung bekommen Sie sofort Zugang zum Download-Bereich. Neue Downloads schicke ich Ihnen per Newsletter zu. Wenn Sie meinen Newsletter bereits abonniert haben, melden Sie sich zur Bestätigung des Downloads bitte trotzdem noch einmal an. Doppelte E-Mail-Adressen werden ausgefiltert und gelöscht.
Bitte E-Mail-Adresse eintragen:Sie möchten meinen Newsletter bestellen abbestellen
Der Newsletter: Wissen für alle, die besser schreiben, sich mit Schreiben besser kennenlernen, ihr Denken erweitern und ihr Leben gestalten wollen. Etwa alle ein bis zwei Monate Artikel, Buchtipps, Downloads, Angebote und Aktionen. Kostenlos und unverbindlich.
Abmelden und Datenschutz: Sie können sich über den Abmeldelink in jeder Ausgabe des Newsletters und ständig über meine Webseite wieder abmelden. Ihre Einwilligung zur Erhebung, Nutzung und Speicherung der E-Mail-Adresse können Sie jederzeit widerrufen: Datenschutz
Wer ist beschlagener, die Rechtschreibreform zu erklären, als einer ihrer Begründer? Matthias Wermke war Leiter der Dudenredaktion und Mitglied des Rates für deutsche Rechtschreibung. In diesem Buch hilft er sehr verständlich über die Klippen der neuen deutschen Rechtschreibung hinweg.
Matthias Wermke war Leiter der Dudenredaktion, Mitherausgeber des Dudens und Mitglied des Rates für deutsche Rechtschreibung. Er hat auch das Buch „Deutsche Grammatik für Dummies“ geschrieben, das ich bereits früher rezensiert habe. Ich finde ihn beschlagen und kompetent. Er schreibt sehr verständlich mit meist sehr hilfreichen Beispielen. Die sperrige, weniger verständliche Sprache der Rechtschreibregeln führt zwar auch er an. Anschließend erklärt er aber immer noch alles ausführlich.
„Rechtschreibung für Dummies“ folgt in der Gestaltung zu einem guten Teil dem üblichen Format der „Für Dummies“-Reihe. Dazu gehören typische Symbole, den einzelnen Buchteilen vorgeschaltete Cartoons sowie ein Top-Ten-Teil am Schluss. All dies erhöht den Wiedererkennungswert der Reihe. Dazu gehören auch in den Text eingeschobene Abschnitte mit kleinen Anekdoten, Hintergrundwissen und weiterführenden Informationen. Ungewöhnlich ist dagegen in diesem Buch der Übungsteil, der jeweils größere neue Wissensblöcke mit einer Übung abschließt und in einem späteren Kapitel die Lösungen dafür nennt. Das finde ich bei diesem Thema sehr sinnvoll und gelungen.
„Rechtschreibung für Dummies“ widmet sich in erster Linie der neuen Rechtschreibung und ihren Regeln. Es ist keine allgemeine Einführung in die deutsche Rechtschreibung.
Das Buch startet mit der ebenfalls üblichen Autorenvorstellung und Einführung ins Buch. Hier bekommen Sie erklärt, wie Sie das Buch verwenden können, wie es aufgebaut ist und wofür die „Für Dummies“-Symbole stehen.
Kapitel 1 Der ewige Streit um des Kaisers Bart
Wie hat sich die Rechtschreibung entwickelt vom Mittelalter bis heute? Wie hat sich auch die Reform der Rechtschreibung entwickelt mit alter, neuer und „ganz neuer“ Rechtschreibung?
Kapitel 2 Richtiges Schreiben ist nicht ganz unwichtig
Warum ist Rechtschreibung überhaupt wichtig? Von Diktaten an der Schule abgesehen bleibt es schließlich jeder Firma und jeder Einzelperson überlassen, wie sie schreiben will. Richtiges Schreiben als Dienst am Leser, Ausweis persönlicher Kompetenz und mehr.
Kapitel 3 Keine Angst vor der Rechtschreibung
Tipps, wie man Fehler vermeidet. Wichtige Hilfsmittel wie Korrekturprogramme, Wörterbücher, Sprachberatung. Wie man den Duden benutzt.
Kapitel 4 Übung macht den Meister – und die Meisterin
Auflistung und Erklärung einiger Fachbegriffe
Kapitel 5 Von Lauten und Buchstaben
Was hat es mit den Lauten unserer Sprache und dem Alphabet auf sich? Wie sich die Rechtschreibung von Wörtern geändert hat, die im Wortstamm an vergleichbare Wörter angepasst wurden. (Zum Beispiel „platzieren“ statt früher „plazieren“ von „Platz“.) Weitere Neuerungen wie die Schreibung von drei gleichen Buchstaben in Folge, die Veränderungen beim Eszett und die Schreibweise von eingedeutschten fremdsprachigen Ausdrücken.
Kapitel 6 Typisch deutsch: Mal schreibt man groß – mal schreibt man klein
Alles Wissenswerte zur alten (Stand: vor 1996), neuen (Stand: nach 1996) und „ganz neuen“ (Stand: nach 2006) Groß- und Kleinschreibung. (Anmerkung: Die diversen Versionen gehen auf die Rechtschreibreform von 1996 sowie die darauf folgenden Modifizierungen und „Reformen der Reform“ zurück, die im Grunde immer noch nicht abgeschlossen sind.)
Kapitel 7 Knifflig, aber lösbar: die Getrennt- und Zusammenschreibung
Hier wird es wirklich knifflig: Wann schreibt man getrennt und wann zusammen – bei Verben Adjektiven, Substantiven, fremdsprachigen Ausdrücken und anderen Wortarten?
Kapitel 8 Kleiner Strich – große Wirkung: der Bindestrich
Wann und wie setzt man den Bindestrich? Der Bindestrich zum Beispiel bei Zahlen, Abkürzungen, Aneinanderreihungen und fremdsprachigen Ausdrücken.
Kapitel 9 Wenn am Zeilenende getrennt werden muss
Wie man sich eine Silbentrennung erspart. Allgemeines und Details über die Worttrennung.
Kapitel 10 PunktPunktKommaStrich
Warum ist eine korrekte Zeichensetzung hilfreich und wichtig? Ein umfangreicher Teil zum Komma. Und jeweils kurze Kommentare zu den übrigen Satzzeichen: Punkt, Ausrufezeichen, Fragezeichen, Semikolon, Doppelpunkt, Gedankenstrich, Klammern, Anführungszeichen, Apostroph, Auslassungspunkte, Abkürzungen und Schrägstrich.
Kapitel 11 So ist‘s richtig: Auflösung der Einzelübungen
Kapitel 12 Der große Abschlusstest
Kapitel 13 Und so ist’s richtig: Auflösung des Abschlusstests
Kapitel 14 Die zehn wichtigsten Regeln guten Schreibens
Kapitel 15 Die zehn häufigsten Fragen zur Rechtschreibung
Kapitel 16 Wichtige Hilfsmittel und Informationsangebote
Anhang mit Literaturverzeichnis und Stichwortverzeichnis
Wie gesagt finde ich das Buch „Rechtschreibung für Dummies“ sehr verständlich geschrieben. Angesichts der komplexen Thematik und des kompakten Wissens kann man sich damit allerdings vermutlich immer wieder irgendwo einschließen und alles noch einmal studieren und noch einmal und noch einmal … Doch das mindert nicht den hohen Wert dieses Buchs.
Fazit: Ein sehr hilfreicher Führer durch die neue deutsche Rechtschreibung. Man sollte sich allerdings viel Zeit und Geduld mitbringen oder nur gelegentlich etwas gezielt nachschlagen.
© 2018 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 05.06.18
Matthias Wermke, Rechtschreibung für Dummies, Weinheim 2012 (2., überarbeitete und aktualisierte Auflage von 2011), 222 Seiten
Bei amazon bestellen …
(Partner-Link, kleine Umsatzbeteiligung für mich)
Rückenschmerzen sind zu einer Volkskrankheit geworden. Wir sitzen zu viel, bewegen uns zu wenig und tun auch sonst so manches, womit wir unserem Rücken Schaden zufügen. Das gilt besonders für die vielen Büroarbeiter und Schreibtischtäter und natürlich für jeden, der schreibt. Hier habe ich 20 Tipps, wie Sie Ihren Rücken möglichst gesund halten können.
Rückenschmerzen und Rückenprobleme sind nicht neu. Schon in früheren Jahrzehnten nahm die Belastung für unseren Rücken durch einseitige, immer gleiche, teils auch gesundheitlich bedenkliche Tätigkeiten stetig zu. Je mehr die Arbeitswelt auf Effektivität und Produktivität getrimmt wurde, desto größer wurde die Zahl derer, die dafür mit Schmerzen, Krankheiten und körperlichen Beeinträchtigungen zu zahlen hatten. Die Näherin, die acht, neun Stunden am Tag die gleiche, vornübergebeugte Bewegung macht, die Verkäuferin, die die gleiche Zeit auf ihren Füßen steht, sind nur zwei Beispiele dafür.
Kein Wunder, dass mit Aufkommen des Computerzeitalters Bürotätigkeiten immer beliebter wurden. Doch auch diese haben ihre Tücken – wie so vieles Einseitige. Viele Menschen sitzen heute zu viel, bewegen sich zu wenig, das setzt sich in der Freizeit fort. Und auch das geht auf den Rücken. Rückenschmerzen sind zu einem Volksleiden geworden.
Das gilt auch für alle, die viel schreiben, sich mit Schreiben einen Teil ihres Lebensunterhalts verdienen oder sogar in Vollzeittätigkeit schreiben.
Für all diese Schreibtischtäter ist der folgende Artikel gedacht. Nicht zuletzt natürlich auch aus eigener Erfahrung und mehrjähriger Beschäftigung mit dem Thema. Ich denke, es werden aber auch andere Gruppen von folgenden Tipps profitieren, wie Sie Ihren Rücken möglichst gesund halten. Schauen Sie einfach selbst.
Ich bleibe bewusst allgemein, denn den Einzelfall kann und sollte man immer nur individuell betrachten. Zudem sollte sich jeder seinen eigenen Koffer an Möglichkeiten zusammenstellen, so wie es für ihn oder sie richtig ist. Lassen Sie sich dabei auch gern medizinisch-fachlich helfen.
Wichtig ist mir zu Beginn noch: Achten Sie auf sich und Ihren Körper. Zu viele von uns haben, aus welchen Gründen auch immer, ein gestörtes Körpergefühl. Schmerzen und Missstände werden nicht bemerkt, ignoriert oder verharmlost. Wer dann irgendwann aufwacht, braucht oft Jahre, um Fehlentwicklungen rückgängig zu machen. Und manche Schäden bleiben leider für immer. Schauen Sie, was Sie für sich tun können, und Ihnen alles Gute dafür.
1. Achten Sie auf einen rückenfreundlichen Arbeitsplatz
Für einen Schreibtischtäter bedeutet ein rückenfreundlicher Arbeitsplatz, dass Sie in richtiger Sitzhöhe mit passendem Abstand und in passender Haltung zum Monitor sitzen, sodass Sie mit entspannten Gliedern und ohne überstreckten, verkrampften Nacken arbeiten können. Weiter gehört dazu natürlich ein rückenfreundlicher, ergonomischer Stuhl, auf dem Sie sich wohl fühlen und ebenfalls entspannt sitzen können.
2. Versuchen Sie, „dynamisch“ zu arbeiten
Nutzen Sie jede Gelegenheit, „dynamisch“ zu arbeiten. Unterbrechen Sie Ihre sitzende Haltung, stehen Sie auf, gehen Sie herum, verändern Sie auch die Sitzhaltung selbst. Eine Faustregel für den Büroalltag lautet: 50% sitzen, 25% stehen, 25% in Bewegung sein. Vielleicht können Sie sich auch kurz auf Sofa oder Matte ausstrecken und hinlegen?
3. Versuchen Sie, „dynamisch“ zu sitzen
Ein rückenfreundlicher Bürostuhl ist die Basis. Doch Sie können weitere Sitz- / Arbeitshaltungen zur Abwechslung nutzen wie einen Sitzball, einen Kniehocker, ein Stehpult oder einen Stehsitz, einen Pendelstuhl, einen Sattelstuhl, mit Laptop auf dem Sofa zu sitzen, mit Papier und Stift auf dem Balkon zu arbeiten, im Café zu schreiben und so weiter. Wechseln Sie immer einmal Möbel und Sitzposition. Schön sind auch Stühle, die sich nach hinten kippen lassen. Wenn Sie sich hin und wieder nach hinten lehnen, ist das wie ein kurzes Aufatmen für Ihre Wirbelsäule.
4. Versuchen Sie, „in Blöcken“ zu arbeiten
Können Sie Ihre Tätigkeit in inhaltliche oder zeitliche Blöcke teilen? Schieben Sie dann zwischen diese Arbeitsblöcke Einheiten mit anderen Tätigkeiten wie andere Arbeitsaufgaben in anderer Haltung, Bewegungsübungen, Besorgungen, Haushalt und und. Hauptsache, Sie haben wieder eine Abwechslung für den Körper. Nutzen Sie auch kürzere Pausen für einen solchen Ausgleich.
Wenn Sie schreiben, nutzen Sie doch die Phasen des Schreibprozesses in diesem Sinne für sich. Ein Konzept könnten Sie zum Beispiel mit der Hand schreiben, für eine Recherche außer Haus gehen, über eine widerspenstige Stelle beim Abwasch nachdenken und den Text selbst mit PC oder Laptop formulieren.
5. Versuchen Sie, „ausgleichend“ zu arbeiten
Ausgleich ist ein schönes Stichwort. Haben Sie einen Beruf, der aus verschiedenen Tätigkeiten und Abläufen besteht? Oder können Sie als Selbstständige verschiedenen Erwerbstätigkeiten nachgehen? Die Arbeitswelt geht zwar seit Jahrzehnten in Richtung effizienter Einseitigkeit. Es gibt aber auch den leichten Gegentrend zu flexiblen Patchwork-Tätigkeiten. Auch nicht jeden Tag acht Stunden am Schreibtisch sitzen zu müssen, ist für Ihren Rücken die reine Erholung.
6. Entlasten Sie zwischendurch den Rücken
Entlasten Sie regelmäßig zwischendurch Ihren Rücken. Legen Sie sich zum Beispiel flach auf den Rücken und Ihre Beine im rechten Winkel auf einen Stuhl oder ein Sofa. Oder legen Sie sich auf den Rücken, ziehen Sie die Beine an die Brust und schaukeln Sie sanft hin und her. Vielleicht können Sie zu diesem Zweck eine weiche Matte an Ihrem Arbeitsplatz deponieren? Die können Sie gleich für die folgenden Übungen mitnutzen.
7. Trainieren Sie zwischendurch den Rücken
Es gibt viele Übungen, mit denen Sie etwas für Nacken, Schulter und Rücken tun können. Wählen Sie Übungen, die kräftigen, Übungen, die dehnen, und Übungen, die entkrampfen und entspannen. Auch hier können Sie nach persönlichem Geschmack zurückgreifen zum Beispiel auf Übungen aus Yoga, Pilates, Rückentraining, Haltungsschulung, Funktionsgymnastik und Mobilisationsübungen. Viele ähneln sich und kommen unter neuem Namen in diesen Disziplinen immer wieder vor. Auch Wassergymnastik und Gerätetraining können sehr hilfreich sein, sind nur nicht so leicht mit dem Arbeitsplatz kombinierbar.
Wenn Sie wöchentlich in einer Gruppe trainieren, würde ich immer noch zusätzlich die eine oder andere Übung in meinen Arbeitsalltag einbauen und mich in meinen Pausen zu bewegen versuchen. Es gibt hier viele Bücher und DVDs, von denen Sie sich anleiten lassen können. Auch auf YouTube gibt es schöne Videos mit rückengerechten Übungen wie zum Beispiel von der Gymnastiktrainerin Gabi Fastner, Sport-Professor Ingo Froböse oder dem Arzt Tobias Weigl.
Achtung: Nicht jede Übung ist für jeden gut. Achten Sie selbst darauf, wie es Ihnen damit geht.
8. Kräftigen Sie grundsätzlich Ihre Rumpfmuskulatur
Sehr viele Rückenschmerzen entstehen aufgrund einer zu schwachen Rumpfmuskulatur. Wenn die Bauch- und Rückenmuskeln Ihres Rumpfes nicht kräftig genug sind, kann das Becken nach vorn kippen, ein Hohlrücken entsteht, der auf die Wirbel drückt. Generell zu schwache Bauchmuskeln können die Wirbelsäule von vorn nicht stabilisieren, die unteren Rückenmuskeln versuchen dies auszugleichen – es kann zu Verkürzungen und einem Hohlkreuz kommen. Gerade bei Schreibtischtätern ist der Rumpf häufig unterfordert. Schauen Sie, wie Sie auch diese Muskel mit den gerade erwähnten Übungen kräftigen und dehnen.
9. Entkrampfen und dehnen Sie Ihre Muskulatur
Wie gerade erwähnt, ist nicht nur Kräftigen gut, sondern auch Dehnen. Wenn Sie viel sitzen, neigen Ihre Muskeln in Nacken, Schulter, Rücken dazu, zu verkümmern, zu verkürzen und zu verspannen. Entkrampfen und dehnen Sie dagegen an. Hilfreich ist dabei die aus dem Faszientraining bekannte Faszienrolle. Einfache Mobilisationsübungen reichen oft aber auch.
10. Treiben Sie grundsätzlich Sport
Treiben Sie auch grundsätzlich Sport, bewegen Sie sich, je nach Ihren eigenen Vorlieben und Möglichkeiten. Moderater Sport stärkt Muskeln, Sehnen und Bänder und versorgt Ihre Gelenke mit den für diese so notwendigen Nährstoffen und Gelenkflüssigkeit.
Im Folgenden nenne ich Ihnen noch ein paar Punkte, die ebenfalls zu Rückenschmerzen führen können. Wenn Sie hieran arbeiten, haben Sie wieder viel für Ihren Rücken getan.
11. Achten Sie auf die richtige Haltung
Korrigieren Sie regelmäßig Ihre Sitzhaltung: Rücken gerade, Schultern nach hinten. Vermeiden Sie einseitige belastende Haltungen. Eine Bekannte hat sich zum Beispiel über Jahre den Telefonhörer zwischen Kopf und Schulter geklemmt, um im Kundenservice beide Hände fürs Tippen frei zu haben. Heute ist sie frühverrentet mit schwerer Arthrose in der Schulter. Achten Sie auch auf Fehlhaltungen und Fehlstellungen Ihres Skeletts wie einer verkrümmten Wirbelsäule oder X- beziehungsweise O-Beinen.
12. Überlasten Sie Ihre Augen nicht
Schonen und entspannen Sie regelmäßig Ihre Augen. Zu stark beanspruchte Augen können Schulter und Nacken verkrampfen lassen. Hier lesen Sie mehr: Tipps für gesunde Augen
13. Lockern Sie Ihren Kiefer
Auch ein verkrampfter Kiefer kann zu Problemen mit Nacken, Schulter, Rücken führen. Und solche Kieferverspannungen stellen sich schnell ein: Bei Stress, Sorgen, Ärger, aber auch bei Zahnproblemen, Kopfschmerzen. Lockern und entspannen Sie regelmäßig Ihre Kiefergelenke.
14. Bauen Sie Übergewicht ab
Zu viel Bauchfett und Übergewicht belasten ebenfalls Körper, Muskeln und Skelett. Je weniger Sie wiegen, desto weniger Gewicht drückt und lastet auf Ihren Gelenken.
15. Achten Sie auf eine gute Schlafhaltung
Alte, falsche, durchgelegene oder verhärtete Matratzen und Kissen können ebenfalls Gift für Nacken und Rücken sein. Wichtig ist auch eine gute Schlafhaltung.
16. Achten Sie auf eine rückengerechte Kleidung
Damit meine ich in erster Linie Schuhe mit flachen Absätzen, die das Becken nicht in eine Fehlstellung bringen, die Ihre Rückenmuskeln wieder mühsam ausgleichen müssen, und gegebenenfalls einen gut sitzenden, stützenden BH, der verhindert, dass Sie bei großer Oberweite nach vorn gezogen und gekrümmt werden.
17. Seien Sie vorsichtig mit Zugluft und Kälte
Schützen Sie Nacken und Schulter vor Zugluft, auch diese kann Sie unbemerkt verkrampfen und verspannen lassen. Wärme kann auch grundsätzlich Ihre Muskeln besser durchbluten und entspannen. So kann ein warmes Körnerkissen in Nacken oder Rücken wahre Wunder wirken.
18. Bauen Sie Stress und psychische Belastungen ab
Es klang oben schon beim Kiefer an – verkrampfte, schmerzende Körperteile und Muskeln sind oft eine Reaktion auf psychische Ursachen wie Stress, Ärger, Anspannung, Depression, Angst. Je entspannter und gelassener Ihre Seele ist, desto besser ist das auch für Ihren Körper. Entspannungsübungen können helfen, aber natürlich auch die Arbeit an den eigentlichen, auslösenden Faktoren.
Was können Sie sonst noch tun? Dieser Artikel ist natürlich nur ein begrenzter Überblick. Etliche weitere Maßnahmen sind möglich. Rehasport geht beispielsweise wieder in Richtung körperliches Training, Physiotherapie oder Nacken-, Schulter-, Rückenmassage arbeiten zu einem guten Teil wieder mit Dehnung und Lockerung. Schmerzmittel können helfen, um in Bewegung zu bleiben, obwohl ich persönlich hier vorsichtig wäre. Zum Abschluss habe ich noch zwei allgemeine Tipps:
19. Ernähren Sie sich basischer
Unsere Wohlstandsernährung mit ihrem hohen Zuckeranteil, tierischen Proteinen und Fetten, Kaffee, Alkohol und anderen „kleinen Sünden“ schmeckt zwar oft sehr gut, kann aber auch zu einer Übersäuerung des Körpers führen und Entzündungen fördern. Und diese Entzündungen können wieder zu Schäden an den Gelenken und zu Rückenschmerzen führen. Je „basischer“ Sie sich ernähren, desto besser. Auch dazu gibt es im Internet und in der Literatur viele Tipps.
20. Vermeiden Sie nach Möglichkeit eine Chronifizierung
Tun Sie alles, um gelegentliche Schmerzen und Beschwerden nicht chronisch werden zu lassen. Haben Körper und Psyche erst ein Schmerzgedächtnis ausgebildet und sich „an den Schmerz gewöhnt“, wird es deutlich schwerer, dies wieder abzubauen. Auch wenn es zu regelrechten Verschleißerscheinungen (Arthrose) kommt, sind diese nur schwer zu bekämpfen.
In diesem Sinne: Bleiben Sie dran und Ihnen einen möglichst gesunden Rücken.
Lesetipps:
Artikel: Sich erden
Artikel: 36 Tipps für gesunde Augen (inklusive Augen-Yoga)
© 2018 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 09.05.18
Die Journalistin, Nachrichtenchefin und Professorin für Umweltjournalismus Henriette Löwisch hat hier einen klugen und gefällig geschriebenen Rundumschlag zum Journalismus vorgelegt. Wie wird man Journalist? Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Wie schreibt man als Journalist? Zu diesen und weiteren Themen finden Sie in ihrem Buch viele wertvolle Informationen und Tipps.
Henriette Löwisch besuchte die Journalistenschule in München und studierte Journalistik in Deutschland und den USA. Sie war Nachrichtenredakteurin, NATO-Korrespondentin und Nachrichtenchefin bei der Nachrichtenagentur AFP. Heute ist sie Professorin an der Universität von Montana, wo sie Umweltjournalismus lehrt.
Ihr Buch „Journalismus für Dummies“ macht ebenfalls den Eindruck, dass hier ein Profi am Werk war, der mit Informationen umgehen, diese geschickt aufbauen sowie verständlich und nachvollziehbar schreiben kann. Das hält sie auch die ganzen 352 Seiten des Buches durch trotz der üblichen Faktenfülle der „Für Dummies“-Bücher. Überdies eignet sich ihr Buch schön zum Lesen und Schmökern, was für viele Sachbücher eher nicht gilt.
Beispiele, Einblicke in und Hintergrundwissen aus der Praxis zeigen, dass hier jemand ist, der die Branche kennt und mit Insiderwissen nicht spart. Eingestreute Kurzporträts stellen jüngere Journalisten und Journalistinnen vor sowie deren jeweiligen Weg in den Beruf.
„Journalismus für Dummies“ legt den Schwerpunkt auf den Zeitungsjournalismus. Die Autorin streift aber auch den Alltag von Agentur, Zeitschrift, Fernsehen, Rundfunk, Online und PR.
Wer sich für den Beruf des Journalisten interessiert, sollte als Erstes dieses Buch lesen. Dann weiß er, ob dieser Beruf etwas für ihn ist, und er kann, ebenfalls mit Hilfe des Buches, geeignete Ausbildungswege suchen. Wer schon im Beruf steht, aber vielleicht, wie es bei vielen Quereinsteigern der Fall ist, ohne gründliche Ausbildung gestartet ist, findet hier hilfreiches Wissen, wie er diesem Beruf besser nachgehen kann. In Teilen ist das Buch auch geeignet für alle, die sich eher für journalistisches Schreiben und entsprechende Schreibtipps interessieren.
Einführung
Über dieses Buch. Wie dieses Buch aufgebaut ist. Wie Sie dieses Buch lesen können / was Sie nicht lesen müssen. Und mehr.
Kapitel 1: Wozu Journalismus gut ist
Was versteht man unter Journalismus? Wo kommt er her? Was macht den Beruf des Journalisten aus? Der Journalist als Dienstleister für die Gesellschaft, der Fakten aufbereitet, zur Meinungsbildung beiträgt, wahrheitsgetreu und objektiv, das heißt, nachvollziehbar und überprüfbar, informiert, aber auch verständlich und ansprechend vermitteln können muss.
Kapitel 2: Das ist guter Journalismus
Was ist wichtig für einen guten Journalismus? Dazu gehören Kriterien wie es genau wissen zu wollen, seine Quellen sorgfältig behandeln zu wollen, sich verständlich machen zu wollen, Zusammenhänge herzustellen, unabhängig zu sein und das Interesse des Lesers zu wecken.
Kapitel 3: Das ist schlechter Journalismus
Was macht schlechten Journalismus aus? Dazu gehören Dinge wie Falsches zu verbreiten, die persönliche Distanz zu verlieren, aufs Publikum zu pfeifen, ignorant und schlecht zu schreiben, Vorurteile zu schüren und keine Grenzen zu kennen.
Kapitel 4: Was Journalisten nicht dürfen
Grenzen für Journalisten beim Staat, bei den Bürgern und bei den Prominenten.
Kapitel 5: Wo die Nachricht herkommt
Wie sieht ein Tag bei der Zeitung aus? Löwisch schildert hier, wie eine (Tages-) Zeitung entsteht – von den ersten Nachrichten aus den Agenturen bis zu Druck und Auslieferung der Zeitung.
Kapitel 6: Was die Nachricht wert ist
Welche Nachrichten finden ihren Weg in die Zeitung? Dazu muss eine Nachricht neu sein oder zumindest einen neuen Dreh enthalten. Sie muss für das Leben des Lesers wichtig und relevant sein. Und sie muss bewegen, denn wirklich interessant wird eine Nachricht erst, wenn sie auch die Gefühle der Leser bewegt.
Kapitel 7: Recherche
Welche Möglichkeiten zur Recherche gibt es? Von Archiven und Datenbanken über persönliche Kontakte, Pressestellen und Pressekonferenzen bis zu Recherche-Interviews, Recherche vor Ort, investigativer Recherche und verdeckter Recherche inklusive Whistleblowern und Wallraff-Methoden. Wie findet man gute Gesprächspartner für ein Interview? Wie bereitet man ein Interview vor? Welche Interviewformen gibt es?
Kapitel 8: Nachrichten schreiben
Wie wird eine Nachricht aufgebaut und geschrieben? Regeln fürs Zitat. Tipps für eine verständliche Sprache. Tipps für den Umgang mit Abkürzungen, Zahlen und Anglizismen.
Kapitel 9: Wie die besten Storys entstehen
Wie findet man Ideen für eine gute Geschichte? Wie findet man einen neuen Blickwinkel und einen neuen Dreh für diese Geschichte? Wie verkauft man seine Idee gut, macht der Redaktion Appetit, diese Geschichte in Auftrag zu geben und zu veröffentlichen?
Kapitel 10: Geschichten und ihre Genres
Welche Formen von journalistischen Geschichten gibt es? Von Meldung, Reportage, Feature und Porträt über den Korrespondenten- und den Hintergrundbericht, den Report, das Interview, die Darstellungsformen im Netz und visuelle Darstellungsformen.
Kapitel 11: Wie eine Geschichte erzählt wird
Wie schreibt man eine Geschichte? Von ersten Vorbereitungen über den Einstieg mit seinen Einstiegsformen, den Hauptteil mit seinem Spannungsbogen und roten Faden bis zum Schluss. Einige übliche Tipps für eine gute Sprache inklusive interessantem Umgang mit Polizeideutsch . Und einige Tipps für Überarbeitung und Korrektur.
Kapitel 12: Geschäfte mit Geschichten
Hier folgt ein kurzer Abriss zur Geschichte des Pressewesens, von Zeitung und Zeitungsverlag bis zu Fernsehen und Internet; interessant erzählt.
Kapitel 13: Kommentare und Kampagnen
Formen von Journalismus, die die öffentliche Meinung beeinflussen und in der Gesellschaft etwas bewirken wollen, wie der Kommentar, der Leitartikel, die Glosse, Satire, Kolumne, die Kritik, die Rezension und das Blog. Investigativer Journalismus und Enthüllungsjournalismus, die Fehler im System enthüllen wollen. Kampagnenjournalismus, der Themen selbst auslösen will.
Kapitel 14: Druck und Gegendruck
Von der Manipulation der Medien bis zur Machtlosigkeit der Medien. Und einiges zu Verhältnis und Umgang der Presse mit den PR-Leuten.
Kapitel 15: Gefragte Eigenschaften
Welche Eigenschaften und Charakterzüge sollte jemand mitbringen, der Journalist werden möchte? Mit einem kleinen, eher spielerischen Selbsttest, der aber durchaus etwas aussagt.
Kapitel 16: Journalist werden
Wie wird man Journalist? Welche Möglichkeiten zur Ausbildung gibt es? Löwisch präsentiert hier eine schöne, differenzierte Aufzählung der verschiedenen Angebote.
Kapitel 17: Als Journalist arbeiten
Wie sieht der Berufsalltag eines Journalisten aus? Wie bekommt man eine Stelle als Journalist? (Inklusive Tipps für die Bewerbung.) Was verdient man als Journalist? Und welche verwandten Berufe gibt es, wenn man aufsteigen oder aussteigen oder etwas mehr Geld, als oft üblich, verdienen möchte?
Den Abschluss des Buches bildet der für die „Dummies“-Bücher übliche zusammenfassende Teil mit seinen Checklisten, Kurztipps und Adressen. Hier:
Kapitel 18: Zehn Wege zum Journalismus
Kapitel 19: Zehn Filme über Journalisten
Kapitel 20: Zehn Journalistenpreise
Kapitel 21: Zehn Webseiten für Journalisten
Ein Glossar und ein Stichwortverzeichnis runden das Buch ab.
Fazit: Ein schöner runder Überblick zum Journalismus. Gefällig und unterhaltsam geschrieben. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich irgendwie für dieses Thema interessiert.
© 2018 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 12.04.18
Henriette Löwisch, Journalismus für Dummies. Vom Recherchieren bis zum Publizieren. Weinheim 2012 (2. akt. und überarb. Auflage), 352 Seiten
Bei amazon bestellen …
(Partner-Link, kleine Umsatzbeteiligung für mich)